Polnische Waffeln

Zu Allerheiligen war ich seit vier Jahren das erste mal wieder bei meiner Familie in Polen. Für alle, die es nicht wissen: Allerheiligen wird in Polen sehr gefeiert, nach Weihnachten und Ostern ist das der nächste wichtige Feiertag. Die Polen kaufen wie die bekloppten Chrysanthemen und Friedhofskerzen und bereisen das ganze Land, um ihre Verstorbenen auf den zahlreichen Friedhöfen zu besuchen und ihnen zu gedenken. Auf das Grad von jeder nahen, verstorbenen Seele wird mindestens ein Kerze gestellt und angezündet. Auf die Gräber der nahesten Verstorbenen stellt man zusätzlich auch noch die Blumen. Wer mag kann in diesem Moment der Besinnung ein Gebet sprechen, ich bin da doch eher weniger pathetisch und denke entweder an vergangene Situationen mit der Person, oder an Geschichten über denjenigen. Manch einer wird sich jetzt wahrscheinlich denken, daß die spinnen, die Polen. Geben haufenweise Geld aus für Blumen und Kerzen für Menschen, die das Alles ja eh nicht mehr interessiert. Grundsätzlich stimmt das eigentlich auch. Dennoch fahre ich gerne zu Allerheiligen da hin, und das eigentlich nur für ein bis zwei besondere Stunden. Wenn die Sonne untergegangen ist und es dunkel wird und man tausende von kleinen Lichtern auf den Friedhöfen sieht, dann wird einem ganz anders…allerdings positiv. Das ist ein ganz besonderes Gefühl, und der Anblick ist mit nichts anderem was ich kenne zu vergleichen. Überall laufen schummrig beleuchtete Gestalten rum, die noch hier und da eine Kerze anzünden, alle flüstern und es ist eine feierliche Stimmung. Selbst Jugendliche lassen sich freiwillig zur Abendzeit auf den Friedhöfen blicken um das Schauspiel nicht zu verpassen. Ist auf jeden Fall was ganz Besonderes.

Was ganz Besonderes war mein Besuch dieses Jahr auch deshalb, da ich meinen wohl ältesten Freund nach ca. 15-20 Jahren wiedergetroffen habe. Auf dem frühesten gemeinsamen Foto mit ihm bin ich 3 Jahre alt. Wie das so ist, wenn man 1000km voneinander entfernt wohnt, verliert man sich wohl oder übel irgendwann aus den Augen. Dank Facebook gab es jetzt ein extrem witziges Revival-Treffen. Da soll mal noch jemand sagen, dass Facebook nutzlos ist. *pah*

Und da dieses lange Wochenende vor Erinnerungen nur so triefte, habe ich mich im Supermarkt auch direkt mit Lebensmitteln eingedeckt, die man hier nur sehr schwer bekommt und die mich an meine Kindheit erinnern. Unter anderem auch Waffelplatten. In meiner Familie gab es diese Waffeln mit einer Zucker-Sahne-Masse früher oft. Aber auch das hab ich mindestens schon 10 Jahre nicht mehr gegessen und deshalb freue ich mich, dass sie direkt beim ersten Anlauf schon recht gut gelungen sind.

Polnische Waffeln mit „Kajmak“-Masse
Waffle z masą kajmakową

Es gibt zwei Möglichkeiten die Masse herzustellen…welche die Richtige für Einen ist, kommt drauf an, wie viel Zeit man investieren möchte.
Ich hab nie viel Zeit, also kommt hier als Erste die schnelle Variante. Weiter unter findet ihr dann auch noch die Variante, für die, die entweder arbeitslos sind oder ein verdammt gutes Zeitmanagement oder nicht so viele Freunde, Hobbys etc. haben … oder auch einfach für alle, denen Geschmack wichtig ist, denn natürlich schmeckt die langsame Variante aromatischer als die schnelle, wie sollte es auch anders sein. Ich mag beide. Probiert es aus und schreibt mir gerne euer Urteil.

Zusätzlich zu dieser Entscheidung gibt es noch ein paar Sachen, die man als Abwandlung zu dem Grundrezept hinzufügen kann. z.B. eine Vanillestange, etwas dunkeln Kakao, dunkle Schokolade oder auch gehackte Nüsse oder Mandeln.

Natürlich braucht ihr zu allererst die Waffelplatten. Die gibt es z.B. im Real in der internationalen Lebensmittelabteilung oder in polnischen oder russischen Geschäften.

Schnelle Variante

  • 500g Schlagsahne
  • 100ml Vollmilch (ich hab sogar die von „Landliebe“ mit 3,8% genommen)
  • 480g Zucker
  • 6 EL Butter

Die Sahne, Milch und den Zucker in einem Topf auf dem Herd zum kochen bringen und ab dem Moment, wo der Zucker sich aufgelöst hat, noch ca 15-25 min auf kleiner Flamme köcheln lassen. ab und zu, aber nicht allzu oft umrühren. Wenn die Masse langsam andickt und sich die Farbe langsam ins Karamel verändert, vom Herd nehmen und unter Rühren die Butter hinzufügen, bis sie sich mit der restlichen Masse verbunden hat. Jetzt könnte man noch die ein oder andere zusätzliche Zutat beimischen, wenn man mag.
Sofort verarbeiten, nicht abkühlen lassen.

Nun etwas Masse auf die erste Waffelplatte geben, schnell verstreichen da sie sehr schnell auskühlt und dann hart wird. Danach die nächste Platte drauflegen und das ganze wiederholen bis alles verarbeitet ist. Nun nur noch in kleine Stücke schneiden. Fertig.

Variante, für die Geduldigen

  • 500ml Vollmilch, oder die Vollfette von „Landliebe“
  • 250g Schlagsahne
  • 480g Zucker
  • 4 EL Butter
  • 1 Vanillestange

Die Sahne, Milch und den Zucken mit der leicht eingeritzten Vanilleschote langsam erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Kurz aufkochen und dann auf kleinster Flamme köcheln lassen, oft umrühren – es sollte sich kein Schaum an der Oberfläche bilden.
Nach 1 Stunde die Vanillestange rausnehmen und die Masse ca eine weitere Stunde weiterkochen, bis sie eine karamellige Farbe angenommen hat und angedickt ist. Die Masse etwas abkühlen lassen und erst dann die Butter hinzufügen. Auch jetzt kann man noch zusätzlich andere Zutaten beimischen.

Nun, wie bei der ersten Variante, etwas Masse auf die erste Waffelplatte geben, schnell verstreichen da sie sehr schnell auskühlt und dann hart wird. Danach die nächste Platte drauflegen und das ganze wiederholen bis alles verarbeitet ist. Nun nur noch in kleine Stücke schneiden. Fertig.

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